Digital Transformation Consulting – Mit System in die digitale Ökonomie

Die Transformation eines industriell geprägten Unternehmens zu einem Unternehmen der digitalen Ökonomie bedarf besonderer Fähigkeiten, Blickwinkel und Abläufe. Wir stellen die Grundlagen eines Digital Transformation Consultings vor.

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Kai Hebenstreit

Kai Hebenstreit ist Chefredakteur und Gründer des digitalen Magazins manymize magazin®. Kai ist Experte für digitale Geschäftsmodelle und Start-ups, digitale Produktstrategien und UX-Design und -Management. Er ist Diplom-Designer mit einem zusätzlichen Abschluss in Verhaltenspsychologie. Auf Agenturseite zählen zu seinen Kunden GetIt (heute KPS Digital), OgilvyOne und BBDO - auf Unternehmensseite unter anderem die METRO AG, Dr. Oetker, Unitymedia, Porsche und Volkswagen.

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In diesem Beitrag analysieren wir die Aufgaben des Digital Transformation Consulting. Dafür gehen wir der Frage nach, wie Berater in Zukunft ihre Kunden für die digitale Ökonomie fit machen. Anhand unseres eigenen Ansatzes zeigen wir die Unterschiede zwischen dem Digital Transformation Consulting und der klassischen Unternehmensberatung auf. Dazu liefern wir ihnen ein praktikables Digital Transformation Framework und eine zielführende Digital Transformation Roadmap. Mit diesen Werkzeugen bereiten Unternehmen den Wandel von der industriellen zur digitalen Ökonomie vor. Außerdem skizzieren wir die Bedeutung und Wichtigkeit von Business-Design, Design-Thinking und User-Centered-Design im Transformationsprojekt.

Im ersten Abschnitt gehen wir der Frage nach, wie sich die Aufgaben eines Beraters in der digitalen Ökonomie verändern – Und was Sie als Auftraggeber – unserer Meinung nach – von einem Digital Transformation Consultant erwarten können und dürfen.

Digital Transformation Training – Vom Branchen- zum Kundenverständnis

Das Digital Transformation Consulting unterstützt das Unternehmen im Wandel von der industriellen zur digitalen Ökonomie. Die primäre Aufgabe der Berater ist in der Wissensvermittlung zu sehen , um dem Kunden ein umfassendes Verständnis über die Unterschiede zwischen industrieller und digitaler Ökonomie zu liefern. In diesem Sinne ist das Digital Transformation Consulting prinzipiell als intensives, persönliches Coaching zu verstehen. Die Unterschiede zwischen industrieller und digitaler Ökonomie führen zu neuen Schwerpunkten in der Beratung.

  • Die industrielle Ökonomie ist produktionsbezogen. Der Kundennutzen ist – in der Regel – eine Konstante, den es bestmöglich zu bedienen gilt. Physische Produkte werden hergestellt und am Markt verkauft – die Kundenbeziehung endet in der Regel – und oft bereits vorher – mit dem Verkauf an den Endkunden. Der Kunde muss mit den Eigenschaften (und Fehlern) der Produkte leben. Eine Nachbesserung und Optimierung erfolgt erst mit der nächsten Gerätegeneration. Unternehmen mit ähnlicher Wertschöpfung sind in Branchen zusammengefasst, in denen die Produktion zu klaren Regeln, Grenzen und Leitplanken führt – In diesem Rahmen kann Innovation stattfinden. Allerdings wird nur selten die Branchengrenze verschoben.
  • Die digitale Ökonomie ist kundenbezogen. In der digitalen Ökonomie ist der Kundennutzen eine Variable, die kontinuierlichen Veränderungen unterworfen ist. Ziel ist die konsequente Ausrichtung des Unternehmens und der Produkte auf den dynamischen Kundennutzen. Unternehmen der digitalen Ökonomie digitalisieren bestmöglich physische Produkte mithilfe einer Dienste-Schicht. Ein Dienst kann beispielsweise eine App sein. Der digitale Teil der Wertschöpfung kann – verbunden mit der Digitalplattform des Unternehmens – jederzeit verändert werden. Damit ist eine Anpassung an sich verändernde Kundenbedürfnisse innerhalb eines Produktlebenszyklus möglich. Die Kundenbeziehung beginnt mit dem Verkauf, und wird über Produktgeneration weitervererbt. Unternehmen der digitalen Ökonomie kombinieren Technologien aus unterschiedlichen Branchen, um Märkte neu zu gestalten. Mit der Neugestaltung der Märkte geht eine Auflösung oder Abschwächung der Bedeutung von Branchen einher.

Die Denkweise der Entscheider in Unternehmen der digitalen Ökonomie äußert sich wunderbar in einem bekannten Zitat von Steve Jobs:

„Man muss mit dem Kundenerlebnis (Nutzen) beginnen, und dann den Weg zur benötigten Technologie erarbeiten – Nicht anders herum.“

Die meisten Bedürfnisse werden unproblematisch und verlässlich befriedigt. Neue Geschäftschancen und Märkte ergeben sich deshalb nur, wenn sie einem den marktüblichen Angeboten deutlich überlegenden Nutzen bieten. Die Chance diesen Nutzen innerhalb kurzer Zeiträume zu identifizieren du erfolgreich zu befriedigen, steigt durch den Einsatz von Software, durch moderne Unternehmensführung und eine flexible Organisation des Unternehmens. Es ergeben sich deshalb auch für Berater neue Anforderungen.

  • In der industriellen Ökonomie sammeln, verdichten und besitzen Berater das Wissen über Erfolgskriterien innerhalb der Branchengrenzen. Best-Practice-Analysen und Handlungspapiere zeigen konkrete Handlungsempfehlungen für unternehmerischen Erfolg auf. Der Berater liefert dem Unternehmern Informationen bezüglich der Kunden, der Marktteilnehmer und der besten Lösungen am Markt.
  • In der digitalen Ökonomie übernimmt der Berater die Rolle als Digital Transformation Coach. Er hilft dem Unternehmen Kunden und deren Bedürfnisse zu verstehen. Er liefert Design-Methoden und Werkzeuge, um neue Unternehmungen visuell zu erarbeiten. Er analysiert und durchdringt neue Technologien, und bewertet deren Wert für den Kundennutzen. Der Berater arbeitet außerhalb der Branchengrenzen. Die benötigten Informationen erhält er vom Unternehmer, der wie kein anderer, die Kundenbedürfnisse, den Kundenalltag und den Markt kennt. Zusammen entwickeln Digital Transformation Coach und Unternehmer mit den zusammen getragenen Informationen, und Design-Methoden des Beraters, neue zielführende Geschäftsideen und Geschäftsmodelle.

Seit mehr als 20 Jahren werden Design-Werkzeuge in der Entwicklung digitaler Anwendungen genutzt. Das Design-Thinking, das Human-Centered-Design und das User-Experience-Design liefern die Werkzeuge, um nutzerzentrierte Lösungen zu entwickeln. Diese Methoden lassen sich – so jedenfalls unser Ansatz – auf Fragen und Aufgaben rund um Geschäftsideen und Geschäftsmodelle übertragen. Innovative Ansätze wie das Business-Model-Generation-Model helfen komplexe Geschäftsideen und Geschäftsmodelle visuell zu entwickeln.

Im nächsten Abschnitt tauchen wir tiefer in das Business-Design und die zur Verfügung stehenden Werkzeuge ein. Wir werden die Vorteile von Business-Design vorstellen.

Digital Transformation – Digital Business Models visuell entwickeln

Ein Design-Prozess hilft komplexe – oft versteckte – Sachverhalte aufzudecken und auf das Wesentliche zu reduzieren. In interdisziplinären Teams schafft Design ein gemeinsames Verständnis vom Status-Quo und den möglichen Zielszenarien. Es schafft Klarheit und ein gemeinsames Verständnis in interdisziplinären Teams. Es ist effektiv und effizient durchzuführen, braucht keine lange Vorlaufzeit – Anders als strategische Analysen, umfangreiche Marktforschung oder ähnlich aufwändige Aktivitäten. Abstrakte Gebilde – wie Geschäftsideen und Geschäftsmodelle – werden begreifbar und verständlich.

Es entsteht eine gemeinsame Sprache und Verständnis. Design erzeugt unmittelbar wahrnehmbare Resultate, die sich nicht in Powerpoint, Word oder einer anderen Software verstecken. Business-Design liefert die Werkzeuge, um komplexe Systeme – wie beispielsweise Geschäftsmodelle – in bestechender Klarheit visuell darzustellen, und so den Ausgangspunkt für innovative Ideen zu generieren.

Design-Werkzeuge, Design-Prozesse und Design-Methoden haben sich als probate Mittel bewiesen, um neue Geschäftsideen und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Digitale Transformation Framework

Jede digitale Unternehmensberatung arbeitet mit einem Digital Transformation Framework – einer Sammlung an Prozessen, Methoden und Werkzeugen. Diese gewährleisten eine qualitativ hochwertige und zielführende Beratung. Wir haben uns in den zurückliegenden Jahren mit dem Aufbau unseres Digital Transformation Frameworks beschäftigt. Herauskristallisiert haben sich – durch intensive Beschäftigung mit erfolgreichen Unternehmen der digitalen Ökonomie – 5 Schwerpunktthemen. Diese bilden unser Digital Transformation Framework, und spiegeln unser ganzheitliches Bild auf die Transformation von Unternehmen von der industriellen (auf die Produktion fokussierten) Ökonomie auf die digitale (auf den Kundennutzen fokussierte) Ökonomie. Jedes Digital Transformation Consulting Unternehmen sollte ein Framework für seine Kunden bereithalten und systematisch mit Inhalten füllen. Wir stellen Ihnen an dieser Stelle unseren – wie wir finden systematischen – Denkansatz vor.

Digital erfolgreiche Unternehmen handeln oft nach wiederkehrenden Prinzipien. Diesen widmen wir uns im folgenden Abschnitt.

Die digitalen Erfolgskriterien

Die Untersuchung digitaler Erfolgsgeschichten führt oft zu wiederkehrenden Prinzipien. Wir haben vier wichtige Prinzipien identifiziert, die für innovative Geschäftsideen und Geschäftsmodelle von Bedeutung sind. Sie sind das Rückgrat erfolgreicher digitaler Unternehmungen.

  • Digitaler Lock-In: Der Kunde wird durch ein Kundenkonto und Mehrwerte an die Plattform gebunden. Alle Verhaltensdaten des Kunden werden – anonymisiert – an dessen Kundenkonto gespeichert, ausgewertet und zur Verbesserung oder Neuentwicklung von Diensten herangezogen. Die verbesserten Dienste binden den Kunden langfristig, und reduzieren die Kundenreaktivierungskosten. Der Wechsel aus dem System ist für den Nutzer mit Aufwand verknüpft.
  • Verhaltensdaten: Der Modeversender Outfittery speichert nach eigenen Angaben pro Kunde etwa 200 Datenpunkte. Künstliche Intelligenz Systeme werten diese Daten aus, und unterstützen die menschlichen Modeberater in ihrer Arbeit – die Produkte werden immer passgenauer pro Kunde ausgesucht, die Retouren sinken, die Kundenbindung steigt. Digitale – softwarebasierte – Produktkomponenten ermöglichen die kontinuierliche Anpassung des Produktes an den Kunden. Entscheidend für den Erfolg ist die Speicherung der richtigen Daten – vorzugsweise in einem CRM.
  • Netzwerk- und/oder Skaleneffekte: Digitale Produkte bzw. Dienste erzeugen Marketing aus sich heraus. Jeder neue Nutzer zieht weitere Nutzer nach sich. Dadurch gewinnt die Plattform für jeden Beteiligten noch mehr an Wert. Diesen Effekt nennt man Netzwerkeffekt. Unternehmen können aber auch Skaleneffekte nutzen. Beispielsweise nutzt das deutsche Unternehmen KW-Commerce Amazon als Vertriebsplattform – Jedes dort verkaufte Produkt erzeugt weitere Verkäufe. Obgleich die Marge bei jedem Einzelprodukt eher gering ist, entstehen hohe Umsätze (und Gewinne) durch die automatische Einleitung weiterer Verkäufe.
  • Skalierbarkeit durch moderne IT-Infrastruktur: Erfolgreiche Digitalunternehmen entwickeln Plattformen mit gängigen Software-Technologien. Sie vermeiden die Integration oder Anbindung von Altsystemen: Damit reduzieren sie langfristig Aufwände und Komplexität. Oft werden Leistungen von System-Anbietern aus der Cloud eingekauft und über Schnittstellen eingebunden.

Auf Grundlage der vier Prinzipien lassen sich neue Geschäftsideen entwickeln. Im nächsten Abschnitt beschreiben wir, was gute Geschäftsideen ausmacht. Außerdem zeigen wir die Unterschiede zwischen Geschäftsidee und Geschäftsmodell auf.

Geschäftsideen – Business Transformation

Wir trennen Geschäftsideen von Geschäftsmodellen. Geschäftsideen beschreiben den Kundennutzen, gehen aber nicht auf die Wertschöpfung und wirtschaftliche Profitabilität ein. Teilweise arbeiten Unternehmen jahrelang an der Geschäftsidee, während das fehlende Geschäftsmodell durch VC-Kapital kompensiert wird. Die Geschäftsidee ist der Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs: Ohne den überlegenen Nutzen haben Produkte und Dienste kaum eine Chance sich am Markt durchzusetzen. Bei der Entwicklung der Geschäftsidee werden Fragen nach dem Kundenverhalten gestellt, und untersucht, wie mit Technologie ein marktüberlegender Nutzen kreiert werden kann. Dieser erzeugt eine Veränderung des marktüblichen Kundenverhaltens, und leitet damit die Transformation des Marktes ein. Aber – Die Geschäftsidee beantwortet die Frage nach dem „Was“, nicht die nach dem wirtschaftlichen „Wie“.

Eine marktverändernde Geschäftsidee ist mehr als die halbe Miete – ohne die wirtschaftlich profitable Umsetzung wird sie aber nur von kurzer Dauer am Markt aktiv sein. Deshalb muss ein Geschäftsmodelle angedockt werden. Es definiert die wirtschaftlich profitable Umsetzung der Geschäftsidee.

Geschäftsideen (Business Transformation)

Warum trennen wir Geschäftsideen und Geschäftsmodelle gedanklich? Geschäftsideen beschreiben den Kundennutzen, und ermöglichen einen Vergleich zu marktüblichen Alternativen. Sie helfen den Blick auf den Wert zu fokussieren, und den wirtschaftlichen Teil auszublenden.  Ein marktüberlegener Kundennutzen ist der wichtigste Baustein einer Unternehmung – insofern ist es sinnvoll diesen intensiv zu erarbeiten. Erst im Anschluss werden digitale Geschäftsmodelle an die Geschäftsidee angedockt – Für digitale Geschäftsmodelle gibt es ausreichend Blaupausen. Entsprechend effizient und effektiv lässt sich das wirtschaftlich profitable Gesamtsystem modellieren. Ohne eine marktüberlegende Geschäftsidee wird aber das beste Geschäftsmodell keinen wirtschaftlichen Wert generieren können. Folgende Fragen sollten in einer Beratung geklärt werden.

  • Welches Kundenproblem wird aktuell mit welchem Angebot gelöst
  • Wie sieht das am Markt etablierte Kundenverhalten aus?
  • Wie könnte ein neues Kundenverhalten mithilfe von Technologie erzeugt werden?
  • Wie sieht unsere aktuelle Geschäftsidee aus?
  • Wie ordnen sich die Geschäftsideen in den Wettbewerb ein?
  • Wo kann Technologie zielführend Nutzen stiften?
  • Aber – Keine Antwort auf die Frage nach wirtschaftlicher Profitabilität!

Eine Geschäftsidee wirkt auf das marktübliche Kundenverhalten transformierend ein. Der neue Nutzen verändert das Kauf- und Nutzungsverhalten. Ohne ein wirtschaftlich profitables Konstrukt, kann diese am Markt aber nicht bestehen.

Geschäftsmodelle (Digital Business Models)

Eine starke Geschäftsidee hat das Potential Märkte und Branchen zu verändern, und das Kundenverhalten nachhaltig zu transformieren. Die wirtschaftliche Profitabilität einer Geschäftsidee wird durch das Andocken eines oder mehrerer Geschäftsmodelle gesichert. Geschäftsmodelle beschreiben die Umsatz- und Kostenseite eines Unternehmens. Sie definieren die einzelnen Bausteine, die zur Umsetzung benötigt werden. Ein Geschäftsmodell lässt sich mit dem Business-Model-Canvas visuell darstellen. Im Idealfall greift der Kunde auf ein Fundus an Blaupausen zurück, die vom Berater geliefert werden. Folgende Fragen sollten in einer Beratung bearbeitet werden.

  • Welche digitalen Geschäftsmodelle haben sich bewährt?
  • Wie funktionieren verschachtelte digitale Geschäftsmodelle?
  • Welche Unternehmensbausteine werden benötigt?
  • In welchem Verhältnis steht der Umsatz zu den Kosten?
  • Basiert das Geschäftsmodell auf den digitalen Erfolgsprinzipien?
  • Wo können wir welche Technologie im Geschäftsmodell einsetzen?
  • Aber – Beantwortet nicht, welche Technologie zu Verfügung steht!

Innovative Geschäftsideen und Geschäftsmodelle nutzen neue digitale oder teildigitale Technologien kreativ aus. Grund genug einen kurzen Blick auf den Punkt Technologie zu werfen.

Digital Transformation Technologies

Digitale Geschäftsideen und Geschäftsmodelle werden erst durch neue Technologien möglich. Technologie kann eingesetzt werden, um eine Plattform aufzubauen, physische Produkte teilweise zu digitalisieren, oder die Umsatz- oder Kostenseite des Geschäftsmodells zu beeinflussen. Mit digitaler Technologie gelingt die Modellierung eines marktüberlegenen Kundennutzens. Dafür muss die Technologie in den Kontext zu den Nutzerbedürfnissen und dem Geschäftsmodell gesetzt werden. Eine digitale Transformation Beratung sollte deshalb folgende Fragen beantworten.

  • Welche digitalen oder teildigitale Technologien gibt es?
  • Welche dieser Technologien sind ausgreift?
  • In welche andere Industrien oder Branchen werden Verfahren oder Technologien angewendet, die wir auf unsere Geschäftsidee / Geschäftsmodell adaptieren können.
  • Wie können diese Technologien Nutzen für den Kunden erzeugen?
  • Wie können die Technologien im Geschäftsmodell angewendet werden?
  • Welche Anwendungsbeispiele für Digital Transformation Technologie gibt es?
  • Aber – Beantwortet noch nicht, wie Unternehmen in der Umsetzung geführt und organisiert werden!

Im nächsten Abschnitt skizzieren wir die Veränderungen die am Führungsmodell der meisten industriell geprägten nötig werden könnten.

Führungsmodelle (Digital Change Management)

ORKs ist ein seit 1970 in Unternehmen angewendetes Führungsmodell.
Es wurde von Intel erfunden, und wird bei Google verwendet. Bewertbare Ziele werden gemeinschaftlich vereinbart, und richten sich auf die Vision und Mission aus. In regelmäßigen Abständen  (Quartal, Halbjahr, Jahr) wird die Zielerreichung anhand eindeutig definierter Resultate bewährtet. Wir haben über ORKs bereits einen detaillierten Beitrag geschrieben. OKRs kann die Motivation der Mitarbeiter steigern, die Führungskräfte für wichtigere Aufgaben entlasten, und das Unternehmen systematisch ausrichten. Eine Beratung sollte folgende Fragen beantworten.

  • Wie erreicht man eine Ausrichtung auf eine motivierende Vision?
  • Wie sammelt man seine Mannschaft hinter sich?
  • Wie nimmt man die Kollegen in die Verantwortung?
  • Wie arbeitet man an den wirklich wichtigen Dingen?
  • Wie kontrolliert, bewertet und steuert man Projekte?
  • Wie bewertet man den Fortschritt und nicht die Menschen?

Geschäftsidee, Geschäftsmodell und Führungsmodell sind aufeinander ausgerichtet. Optimale Voraussetzungen für digitalen Erfolg. Mit dem richtigen Organisationsmodell können die Chancen für nachhaltigen digitalen Erfolg erhöht werden.

Organisationsmodelle (Digital Change Management)

Die digitale Ökonomie ist flüchtig, weil sich Kundenbedürfnisse in einem permanenten Wandel befinden. Selbiges gilt für die Bedarfslösungen. Die digitale Ökonomie ist ungewiss. Es wird zunehmend schwer für den Einzelnen valide Prognosen über die Zukunft anzustellen. Die digitale Ökonomie ist komplex, weil die zu lösenden Probleme im Detail mehrschichtig sind, und in der Regel nur interdisziplinär zu lösen sind. Die digitale Ökonomie ist mehrdeutig. Anstelle klarer Lösungen treten viele mögliche Lösungsansätze. Zusammen werden diese Herausforderungen als VUCA-Welt bezeichnet (http://www.vuca-welt.de/) – Die Unternehmensorganisation und Führung muss sich neu ausrichten. Die Rollen und Aufgaben müssen neu gedacht werden. Anstatt dem einen Mastermind tritt die Kraft der Schöpfungskraft der Gemeinschaft. Unternehmen müssen deshalb selber zu einem flexibel organisierten System werden – von mechanisch zu organisch. Einige Unternehmen setzen erfolgreich auf ein selbstorganisierendes Organisationsmodell (https://www.holacracy.org/). In diesem Organisationsmodell gibt es keine festen Abteilungen und keine festen Arbeitsplätze. Vielmehr organisieren sich die Führungskräfte und Mitarbeiter in dynamischen Arbeitsgruppen, und übernehmen in diesen Arbeitsgruppen mehrere Rollen. Die Arbeitsgruppen reflektieren operative und strategische Aufgaben. Die Gruppen werden gemeinschaftlich geführt und organisiert. Die einzelnen Gruppen erhalten ihre Ziele aus einer übergeordneten Unternehmensgruppe – Die dort auf die Vision und Mission ausgerichteten OKRs werden in jeder Gruppe interpretiert und in Ziele umgewandelt. In einem holokratischen System erhält der einzelne Mitarbeiter deutlich mehr Verantwortung und Gestaltungsspielraum. Die Führungskräfte sind Teil des Teams, und führen nach dem Leadership-as-a-Service-Prinzip. Wir werden demnächst über das System einen Artikel schreiben. Digital Transformation Berater sollten im Kontext der Führung folgende Fragen beantworten.

  • Wie schafft man eine Organisation in denen selbstbestimmtes Arbeiten dominiert?
  • Wie schafft man Organisationen in denen die Führungskräfte von bürokratische Aufgaben entlastet, und zum Partner ihres Teams werden?
  • Wie vereinbart man strategische und operative Aufgaben sinnvoll und zielführend?
  • Wie nutzt man das Wissen von Mitarbeitern jenseits von starren Abteilungen und Aufgabengebieten?
  • Wie schafft man eine Organisation, die sich selbst führt, und den Unternehmer wieder für unternehmerische Aufgaben freistellt?

Die Anforderungen an Unternehmen werden nicht weniger. Für die Bewältigung der Herausforderungen bietet sich eine systematische Vorgehensweise an. Diese Vorgehensweise bezeichnet man als Digital Transformation Roadmap.

Digital Transformation Consulting Roadmap & Digital Transformation Roadmap

Aus den zuvor genannten Schwerpunkten ergeben sich – unserer Erfahrung nach – fünf Aufgabenbereiche in denen Beratung das Unternehmen verändern kann. Je nach Unternehmensschwerpunkt, aktueller Aufstellung und gegenwärtiger Situation werden die einzelnen Punkte mehr oder weniger intensiv angegangen. Eine grundsätzliche Überlegung vorab. Jedes innovative Angebot löst ein bereits bekanntes Problem der Zielgruppe in irgendeiner Leistungsdimension besser, als die markttypischen Angebote, und verändert das markttypische Kundenverhalten (Kaufvorbereitung, Kaufentscheidung, Kauf). Die zentrale und erste Frage sollte deshalb immer lauten: „Wie sieht das aktuelle markttypische Verhalten aus, und wo befinden sich Stellschrauben, um es zu verändern.“ Eine Digital Transformation Roadmap sollte deshalb mit der Frage nach dem Verhalten der Kunden, und den Bedürfnissen der Kunden starten.

  • Erstens – Die Entwicklung neuer Geschäftsideen, um veränderten oder neuen Kundenbedürfnissen Rechnung zu tragen, oder sich auf zukünftige Kundenbedürfnisse auszurichten. Bei gleichbleibenden Kundenbedürfnissen sollte an der Optimierung der vorhandenen Wertschöpfung gearbeitet werden, um sich mit Exzellenz in der Wertschöpfung vom Wettbewerb abheben zu können. Entscheidend ist die Verwendung visueller Werkzeuge – beispielsweise aus dem Business-Design – um ein möglichst einheitliches Verständnis der zukünftigen Unternehmensstrategie etablieren zu können. Verhaltenspsychologie hilft Kunden und deren Bedürfnisse systematisch zu analysieren und zu verstehen. Ermittlung der „richtigen“ Geschäftsidee und des richtigen Geschäftsmodells mithilfe von Minimum-Viable-Products (MVPs).
  • Zweitens – Die Adaption erfolgreicher digitaler Geschäftsmodelle, um eine neue Geschäftsidee wirtschaftlich profitabel zu realisieren. Die Beratung sollte diese Blaupausen in leicht verständlicher visueller Sprache bereitstellen – beispielsweise mithilfe des Business Model Canvas – und darüber hinaus die wichtigsten Bausteine des Geschäftsmodells hervorheben. Die Blaupausen sind Ausgangspunkt, um Technologie im Unternehmen wertschöpfend anzuwenden.
  • Drittens – Die Berücksichtigung digitaler Erfolgsprinzipien in der Modellierung der Geschäftsidee und des Geschäftsmodells. Abkehr von maschinellem Denken, und Hinwendung zum digitalen Denken. Schnelle Tests am Markt mit digitalen (Software-) Produkten die nachgebessert werden können, und damit die Abkehr vom Hardware-Denken, bei dem die Beziehung nach dem Kauf abbricht.
  • Viertens – Die Arbeit an der Führungskultur des Unternehmens, um es aus der Arbeitsweise der industriellen Ökonomie in die Arbeitsweise der digitalen Ökonomie zu transformieren. Dazu gehört vor allem die langfristige Ausrichtung der strategischen und operativen Maßnahmen auf eine übergeordnete, inspirierende und motivierende Vision – Welchen überragenden Wert will das Unternehmen für die Menschen (Kunden, Partner, Gesellschaft) schaffen? Was sind die ethischen Leitplanken?
  • Fünftens – Die Restrukturierung der Unternehmensorganisation in ein System mit hoher Selbstverantwortlichkeit des Einzelnen, Leadership-as-a-Service-Ausrichtung und einem hohen Maß an Selbstorganisation und Selbstführung (beispielsweise Holocracy-Modell). Dieses Setup entlastet das Management, und erweitert den Handlungsrahmen der Mitarbeiter. Prinzipiell wechselt das Unternehmen von einer mechanischen Struktur zu einer organischen Struktur, in der jedes Einzelsystem handlungsfähig ist, und auf das Wohl der übergeordneten Systeme einzahlt.

Zusammenfassung und Fazit

Geschäftsideen und neue Geschäftsmodelle werden in der digitalen Ökonomie passgenau zu sich veränderten, neuen Bedürfnissen und Verhaltensweisen modelliert. Unterschiedliche fachliche Disziplinen werden durch den Einsatz visueller Darstellungen von Kundenprofilen, Geschäftsideen und Geschäftsmodellen an einen Tisch gebracht. Aus dem gemeinsamen Verständnis entsteht eine klare Zukunftsvision mit eindeutigen Aufgaben, Zielen und Erfolgskriterien. Verdichtet zu Minimum-Viable-Products (Prototypen) lassen sich die strategischen Ansätze am Markt testen und verfeinern. Aus diesem Prozess ergeben sich neue Produkte oder Dienste. Diese lassen sich am besten mithilfe neuer Führungs- und Steuerungsmethoden umsetzen – bis hin zu Systemen der kompletten Selbststeuerung. Die Schritte auf dem Weg von einem Unternehmen der industriellen zur digitalen Ökonomie sollten schrittweise angegangen werden. Erster Schritt ist das Finden einer starken Vision, eine auf neue Kundenbedürfnisse maßgeschneiderte Geschäftsidee , sowie das Finden und Bewerten von Geschäftsmodellen zur wirtschaftlich profitablen Umsetzung. Eine Digital Transformation Beratung begleitet den Kunden als Coach, und ermöglicht so die selbstständige, nachhaltige und wiederkehrende Bewältigung zukünftiger strategischer Aufgaben in einer unsicheren, schwankenden, digitalen Ökonomie. Der Digital Transformation Berater wird zum Lieferanten von Methoden, Werkzeugen und Erkenntnissen. Mit diesen können neue Lösungen außerhalb bekannter Branchengrenzen gedacht werden.

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