Das Marketplace-Geschäftsmodell

Das Marketplace-Geschäftsmodell bietet Unternehmen einen schnellen Einstieg in den Distanzhandel und den weltweiten Vertrieb eigener Produkte. Ideal für alle Markteinsteiger.

Einleitung zum Marketplace-Geschäftsmodell

Sie haben eigene Produkte und sind dabei eine starke Marke zu etablieren? Vielleicht fehlen Ihnen noch Kunden und ein erfolgreicher Vertriebsweg? Dann ist das Marketplace-Geschäftsmodell vielleicht die ideale Strategie für Sie. Unternehmen mit dem Marketplace-Geschäftsmodell lagern den Vertrieb und das Marketing an die Marketplaces aus. Marketplaces bündeln Produkte unterschiedlicher Anbieter. Sie binden Kunden durch umfangreiche Produktangebote, eine hohe User-Experience, Usability und einem einfachen Kaufprozess. Unternehmen, die die Produkte über Marketplaces vertreiben, profitieren unmittelbar von der Reichweite und Relevanz der Marketplaces.
Manche Marketplaces bieten Unternehmen den sofortigen oder schrittweisen Zugang zu internationalen Märkten an.

Mit dem Marketplace-Modell vermeiden Unternehmen den zeit- und kostenintensiven Aufbau komplexer eCommerce-Angebote. Dafür konzentrieren sie sich auf den Aufbau der eigenen Infrastruktur (Produktentwicklung, Lager, Logistik, Kundenservice, Produktdatenbank, Kundendatenbank). Diese Infrastruktur ist entscheidend für zukünftige strategische Entscheidungen – Ein Wechsel auf klassische eCommerce-Modelle ist möglich. Neue Produkte können an den Märkten schnell, effizient und effektiv getestet werden. So reduzieren Unternehmen mit dem Marketplace-Modell das Risiko in der Produktinnovation. Dem gegenüber stehen hohe Anforderungen an Kundenerlebnisse, Kundenzufriedenheit und Kundenservice. In dieser Case-Study betrachten wir das Marketplace-Modell anhand des Unternehmens KW-Commerce – 2012 gestartet, beschäftigt das Unternehmen Stand 2016 über 160 Mitarbeiter und ist international tätig. Das Unternehmen handelt mit Smartphone- und Tablet-Folien.

Das Marketplace-Geschäftsmodell im Detail

Marketplace-Geschäftsmodell-Übersicht

Das Marketplace-Geschäftsmodell entlastet Unternehmen im Vertrieb und Marketing. Das Unternehmen wird vom kostenintensiven und zeitintensiven Aufbau einer eigenen eCommerce-Plattform entlastet. Für die Reichweite, das Kundenvertrauen und die technische Infrastruktur berechnet der Marketplace-Anbieter dem Unternehmen Gebühren. In der Regel eine Mischung aus festem und variablen Anteil. Für Marktneueinsteiger ist das Marketplace-Modell deshalb besonders geeignet – Vorausgesetzt, dass eigene Produkte vorhanden sind und ausreichend Kraft in den Aufbau einer Marke investiert wird. Die Entlastung in der Kundengewinnung führt zu anderen Haupt-Aufgabengebieten. Das Unternehmen muss an einem perfekten Kundenerlebnis arbeiten und hervorragenden Service anbieten, um den Maßstäben des Marketplace-Anbieters zu genügen. Mit den strikten Regeln und Anforderungen sichert der Marketplace die Attraktivität in Richtung des Endkunden. Wir steigen jetzt tiefer in das Marketplace-Modell ein und beziehen uns, wo es Sinn macht, auf KW-Commerce als Referenz.

  • Beispiel für Marketplaces

    Die wichtigsten Verkaufsplattformen in Deutschland sind eBay, Amazon, Hood.de und Rakuten (Stand 2014) – Mit einer starken Tendenz in Richtung Amazon. Amazon und eBay sind besonders wichtig, weil sie den Zugang zu internationalen Märkten ermöglichen. Für Unternehmen mit Ambitionen im Handel mit dem Ausland bieten sich die beiden us-amerikanischen Marktplätze an.

  • Anbindung an Marketplaces

    Über ERP-Systeme wird das eigenen Produktsortiment in den Marketplace transportiert. Diese Vorgehensweise bedeutet anfänglich höhere Investitionen in digitale Technik. Dafür erleichtert das technische Fundament den zukünftigen Wechsel auf alternative eCommerce-Geschäftsmodelle. Eine zentrales Produkt-Informationsmanagement-System mit angeschlossenen Warenwirtschaft wird für den Aufbau der eigenen Lager- und Logistik-Strukturen benötigt. Unternehmen sollten hier möglichst früh eine solide Basis legen. Die eigene Webseite bietet eine Plattform zur Bildung einer starken Marke. Unternehmen können über eigene Content-Angebote Kunden auf die eigenen Angebote aufmerksam machen.

  • Vorteile des Marketplace-Geschäftsmodell

    Unternehmen lagern die Verantwortung für die Kundengewinnung auf den Marketplace-Betreiber aus. Der Zugang erfolgt effizient und effektiv onDemand. Unternehmen mit dem Marketplace-Modell sind schneller im Aufbau eigener Infrastrukturen und einer wirtschaftlich wertvollen Kundenbasis. Unternehmen mit dem Marketplace-Geschäftsmodell müssen sich auf Kundenservice, Markenaufbau und Fulfillment-Infrastruktur konzentrieren. Diese Elemente sind die Grundlage für zukünftige andersartige eCommerce-Strategien und Geschäftsfelder. KW-Commerce konzentriert sich auf hochwertigen Kundenservice und ansprechende Produkte. Die Fokussierung auf möglichst kleine Produkte stellt geringere Anforderungen an Lager- und Logistik. KW-Commerce entwickelt zudem neue Marken mit neuen Produktgruppen, zum Beispiel hochwertige Hüllen aus Naturmaterialen. Diese werden als neue Marken am Marktplatz platziert.

  • Nachteile des Marketplace-Geschäftsmodell

    Die Auswahl der Produktgruppe ist strategisch entscheidend. Kleine, handliche Produkte sind besser zu lagern. Größerer Vorräte erzeugen keine hohen Verbindlichkeiten, sichern aber die Lieferfähigkeit.
    Den Lagerbeständen kommt eine besondere Bedeutung zu, falls über mehrere Marketplaces verkauft wird. Probleme bei Verfügbarkeit und Lieferung werden von Marketplace-Anbietern konsequent bestraft. Ein perfektes Warenmanagement und ausreichend Bevorratung sind entscheidend. KW-Commerce umgeht diese Herausforderung. Es werden nur kleine und leicht lagerbare, günstige Produkte vertrieben. Die Auslagerung des Vertriebskanals an Marketplaces erzeugt eine hohe Abhängigkeit vom Anbieter und den Geschäftsbedingungen.
    Einfach zu produzierende Produkte können vom Marketplace-Anbieter kopiert und selbst vertrieben werden (z.B. Amazon Basics). Der Aufbau einer starken Marke ist der größte Schutz und gleichzeitig ein wertvolles Asset für den strategischen Wechsel auf neue Geschäftsmodelle. Die Nachteile sind unsere Meinung nach durch Strategie und Konzept zu entschärfen.

  • Fokus und Aufgaben

    Der Anbieter muss die Produkte selber herstellen und diese unter einer starken Hersteller-Marke bündeln. Der Aufbau der Marke ist entscheidender Erfolgsbaustein des Marketplace-Geschäftsmodells. Zur Exzellenz der Marke gehört neben ausreichend guten Produkten (Kundenbewertungen!) ein hervorragender Kundenservice und der Aufbau von Kundenbindung auch abseits des Marketplaces. D Je einfacher und kleiner die Produkte sind, desto besser gelingt die Lagerung und Logistik. Die Margen der Produkte müssen ausreichen, um die Provision des Marketplaces und den Ausbau des eigenen Geschäftes zu liefern. Die Nachfrage nach den Produkten sollte auf absehbare Zeit konstant sein – Wie zum Beispiel bei den Handyhüllen von KW-Commerce. Neue Produkte-Entwicklungen dehnen das Angebot aus. Ein ebenfalls nicht zu unterschätzender Baustein ist ein ordentliches Product-Information-Management-System, das die Informationen zu Produkten zentral im Unternehmen bündelt und über Schnittstellen an die Marktplätze ausliefert. Es gilt die Maxime, dass alle Daten aus dem Unternehmen kommen und im Unternehmen zentral gespeichert sein müssen.

Das Marketplace-Geschäftsmodell aus Sicht des EmotionalCommerce©

Im Kern jeder wirtschaftlich relevanten Interaktion steht Verhalten. Wird wirtschaftlich relevantes Verhalten ausgelöst, entsteht Erfolg. Menschliches Verhalten lässt sich mit geeigneten Modellen zerlegen und bewusst neu modellieren. Das gilt für Strategie, Taktik und operative Aufgaben. Ein Modell ist unsere EmotionalCommerce©-Methodik. Diese Methodik integriert wissenschaftliche Erkenntnisse aus unterschiedlichen Bereichen der Psychologie. Aus dem Modell ergeben sich vier Schwerpunkte die analysiert, bewertet und mit geeigneten Konzepten beantwortet werden können.

Marketplace-Geschäftsmodell-Behavior-Match

Wir wollen uns die vier Elemente des EmotionalCommerce©” im Detail ansehen. Die Analyse ist an dieser Stelle natürlich nur oberflächig, soll aber zeigen, dass die verhaltenspsychologische Analyse hilft neue digitale Geschäftsideen auf ein solides Fundament zu stellen. Vor allem dann, wenn zu Beginn Zahlen und Daten des Marktes fehlen. In diesem Fall liefert die Zielgruppe als wichtigstes Element Antworten. Dazu betrachtet man zwei Komponenten. Motivation (Ziele, Normen und Ästhetik) und Fähigkeiten (Zeit, Geld, Mentale Kapazität, Physische Kapazität, Werte, etablierte Routinen). Motivation erzeugt emotionale Reaktionen. Diese reichen von positiver emotionaler Reaktion (“Will ich haben…”) über neutrale emotionale Reaktion (“Ist nicht relevant für mich…”) bis hin zu negativen emotionalen Reaktionen (“Das passt gar nicht…”). Fähigkeiten sind die Voraussetzung dafür, dass sich eine emotionale Reaktion in Verhalten äußern kann. Geschäftsmodelle und deren Ausführung müssen die Hürden der Zielgruppe kennen und beseitigen.

  • Die Ziele (1)

    Die Nutzer kommen mit klaren Zielvorgaben über den Marketplace in Kontakt mit dem Unternehmen. Das bedeutet, dass das Unternehmen mit seinen Produkten ein bekanntes Bedürfnis befriedigt. Denn aus den alltäglichen und langfristigen Zielen ergeben sich Anforderungen an Produkte. Diese Produkte werden vom Nutzer auf den Plattformen gesucht. Da das Produkt der einzige Baustein ist, auf das das Unternehmen Einfluss hat, muss diese auf die Ziele des Nutzers besser einzahlen, als vergleichbare Produkte. Dafür müssen systematisch vorhandene Alternativen geprüft und gegen die Ziele der Nutzer abgeglichen werden. Neue Produkte lassen sich relativ gefahrlos am Markt testen. Nur schlechte Bewertungen, bei fehlendem Match, sind eine längerfristige Gefahr für das Unternehmen.

  • Normen (2)

    ADie Produkte müssen den Normen und Standards der unterschiedlichen, teilweise internationalen Zielgruppen entsprechen. Der Umgang mit dem Kunden muss professionell und zuvorkommend sein. Negative Bewertungen können schnell zu Umsatzeinbußen führen. Es ist unbedingt wichtig die sozialen Gepflogenheiten der Zielgruppen zu kennen und durch den Kundenservice zu reflektieren. Denn letztendlich ist der Service-Mitarbeiter einer der wenigen direkten Kontaktpunkte zwischen Ihrem Unternehmen und dem Kunden. Exzellenz wird vom Kunden generell erwartet – Das gehört zum Wertversprechen des Marketplace-Anbieters. Dieser Norm muss der Marketplace-Partner entsprechen.

  • Ästhetik (3)

    Die Vermarktung und der Vertrieb von Produkten über Marketplaces begrenzt den Einfluss auf Usability, User-Experience und die Verkaufsabläufe. Umso wichtiger ist, dass Ihre Produkte hochwertig inszeniert werden. Vereinfachen Sie dem Kunden die Bewertung und Einordnung Ihres Produktes. Zeigen Sie den Mehrwert des Produktes. Ermöglichen Sie dem Kunden nach dem Kauf mit Ihnen in Kontakt zu treten. Achten Sie darauf, dass alle Prozesse zwischen Ihnen und Ihrem Kunden optimiert sind. Nehmen Sie dem Kunden einen großen Teil der Denkarbeit ab und führen Sie ihn durch das Produkt. Verstehen Sie die eigene Produktseite als Verkäufer und Berater. Exzellenz führt zu höheren Käufen und zufriedenen Kunden. Und damit auch besseren Bewertungen.

  • Fähigkeiten (4)

    Im Marketplace-Geschäftsmodell können Hürden in der Wertschöpfung nur eingeschränkt durch das Unternehmen beseitigt werden. Die Möglichkeiten beschränken sich auf das Produkt und den Pre- und Aftersales-Kontakt. In diesen wenigen Kontaktpunkten müssen Unternehmen mit Exzellenz punkten. Denn die Erwartungen der Kunden an das Unternehmen entsprechen den Erwartungen an den Marketplace-Anbieter. Gehen Sie davon aus, dass der Kunde vor allem aus Bequemlichkeitsgründen im Marketplace einkauft. Entfernen Sie aus Ihren Produkten, Produktbeschreibungen, Produkterklärungen und anderen Interaktionen Hürden. Nehmen Sie dem Kunden so viel Arbeit wie möglich ab. Sorgen Sie dafür, dass die Zeit des Kunden nicht verschwendet wird. Ihr Produkt muss intuitiv nutzbar sein. Bieten Sie Anleitungen und digitale Informationen auf Ihrer eigenen Plattform an, um den Nutzer zu unterstützen. Wie gesagt: Sie handeln mit einem Kunden, der von den Marketplace-Betreibern verwöhnt wird. Sie dürfen an dieser Stelle nicht patzen.

Motivation und Fähigkeiten wirken in allen Ebenen des Geschäftsmodells. Fehlt in einem der Bereiche eine sorgfältige Auseinandersetzung mit den Kundenarchetypen (Persona), kann sich Verhalten nicht äußern. Übrigens ein gängiges Modell in den meisten eCommerce-Modellen. Motivation wird nicht erzeugt. Der Wettbewerb findet über die Hürde Preis statt. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Zielen, Normen und ästhetischen Erwartungen der Zielgruppe ist der Schlüssel zur erfolgreichen Differenzierung jenseits von Preis und Sales-Kampagnen. Gerne beraten wir Sie dazu – Zum Beispiel in einem Workshop.

Anforderungen und Elemente des Marketplace-Geschäftsmodell

Jedes Unternehmen setzt seine Wertschöpfung aus unterschiedlichen Komponenten zusammen. Mit dem Business-Modell-Canvas werden diese Komponenten analysiert, modelliert und dokumentiert. Wir haben das innovative und weltweit eingesetzte Werkzeug in diesem Insight bereits näher beschrieben. Einseitige Geschäftsmodelle lassen sich in der Regel mit einem Canvas dokumentieren. Mehrseitige Geschäftsmodelle werden mit mehreren Canvas dokumentiert und an Schnittstellen miteinander verbunden. Wir schauen uns jetzt die Komponenten des Marketplace-Geschäftsmodell im Detail an.

Marketplace-Geschäftsmodell-Model-Canvas

  • Kundensegmente (1)

    Ihre Kunden bewegen sich auf der Marketplace-Plattform. Wenn Sie noch keine Produkte im Portfolio haben, schauen Sie sich auf der Plattform um. Erzeugen Sie Varianten bekannter Produkte. Vielleicht haben Sie spezielle Kenntnisse über Nischenbedürfnisse. Sammeln Sie Ihr Wissen über potentielle Kunden und protokollieren Sie diese in Persona.
    Richten Sie sich mit den Produkten an eine spezielle Käufergruppen – Zum Beispiel die Käufer bestimmter Handy-Modelle. Machen Sie sich klar, welche Motivation und Fähigkeit bei der Kundengruppe stark ausgeprägt ist. Es können beispielhaft Kunden sein, die normalerweise Schutzhüllen im stationären Handel gekauft hätten und die Sicherheit eines guten Produktes / Services suchen. Die Kunden-Segmente werden durch den Marketplace zum Teil bereits vorgegeben.

  • Wertversprechen (2)

    Das Wertversprechen teilt sich in zwei Bereiche auf. Erstens in das Versprechen des Marketplaces (z.B. einfache Lieferung, ausgewählte Produkte, bewertete Händler) und zweitens in den Service und den Umgang mit Kundenfeedback auf Seiten des Marketplace-Partners. Der Partner schafft Wert durch Integration von Kundenfeedback in die Entwicklung und durch hervorragenden Kundensupport. Das Wertversprechen ist die optimale, zeitnahe, digitale Beratung der Kunden. Bauen Sie ein Team für den Kundenservice auf.

  • Kanäle (3)

    Die Kanäle zum Kunden werden durch den Marketplace-Betreiber bereitgestellt. Für die einzelnen Produktmarken können Webseiten und Marketing betrieben werden, um den Marken zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Notwendig ist das aber nicht. Suchen Sie unterschiedliche Plattformen (Marktplätze oder Onlineshops) aus, über die Sie in den Kontakt mit Kunden kommen.

  • Kundenbeziehung (4)

    Die Beziehung zum Kunden ist in zwei Schwerpunkte aufgeteilt. Auf dem Marketplace müssen Fragen und Feedback von Kunden beantwortet werden. Die Rückmeldung muss zügig und umfassend sein. Ziel der Kundenbeziehung ist die Auslösung guter Bewertungen im After-Sale-Prozess. Bewertungen sind das Marketingmittel erster Wahl auf Plattformen. Produkte mit schlechten Bewertungen haben kaum Chancen am Marktplatz. Außerhalb des Marktplatzes müssen Marketplace-Partner in hervorragenden Kundenservice im Presales- und Aftersales-Prozess investieren.

  • Umsatz (5)

    Der Umsatz wird über Produkte mit ausreichend starker Marge erzielt. Der Umsatz kann selbst bei Produkten mit geringen Preisen durch die hohe Marktdurchdringung extrem hoch sein. Mit zunehmender Bekanntheit können weitere Produkte für neue Umsatzquellen eingeführt werden. Durch die systematische Fokussierung auf Nischen können Unternehmen mit Marketplace-Geschäftsmodell den Markt durchdringen. Der Zugang zu weltweiten Märkten erhöht die Schlagkraft des Unternehmens.

  • Kernaktivitäten (6)

    Unternehmen mit Marketplace-Geschäftsmodell müssen kontinuierlich neue Produkte am Markt platzieren. Existierende Produkte werden systematisch optimiert. Ein enger Austausch mit dem Kunden ist dafür notwendig. Das Feedback muss erfasst und ausgewertet werden. Produkte entwickelt und eingepflegt werden. Dazu muss das Unternehmen zu Beginn Marketplaces als Partner gewinnen und Produkte anlegen. Lager- und Logistik-Strukturen müssen aufgebaut oder bei Dienstleistern gebucht werden. Die eigene Marke muss entwickelt und gestärkt werden. Für internationale Märkte müssen passende Teams gebildet werden. Der regelmäßige Austausch mit den Plattform-Betreibern gehört ebenfalls zur Kernaktivität der Unternehmen.

  • Schlüsselressourcen (7)

    Zentrales Element eines erfolgreichen Marketplace-Geschäftsmodells ist ein einheitliches und zentrales Produkt-Management über ein PIM. Aus diesem System werden die Marketplaces gespeist, Verfügbarkeiten kontrolliert und Käufe in das Warenwirtschaftssystem und die Finanzbuchhaltung überführt. Für die Produkt-Einpflege und Inszenierung sind Fachkräfte nötig. Die wichtigste Ressource sind die Marktplätze. Ohne diese würde kein Marktzugang stattfinden. Letztendlich müssen die Produkte gelagert und ausgeliefert werden. Dazu sind Gebäude, Prozess, Geräte und Mitarbeiter nötig. Vor und nach dem Kauf müssen die Kunden betreut werden. Auch dafür werden Mitarbeiter benötigt.

  • Schlüsselpartner (8)

    Zu den Schlüsselpartnern zählen die Marktplatzanbieter, die Produzenten der Waren und die Logistik-Dienstleister, falls kein eigenes Fulfillment aufgebaut wird. Produktdesigner und IT-Dienstleister unterstützen das Unternehmen im Auf- und Ausbau der Infrastruktur und des Produktangebotes. Markenberater helfen die Produkte einheitlich zu positionieren.

  • Kostenstruktur (9)

    Auf Kostenseite fallen die Ausgaben für den Einkauf der Produkte an (welche durch Zahlungsmodalitäten und schnellen Umsatz des Lagers minimiert werden können). Außerdem natürlich die Provisionen für die Marktplätze, die von der Marge abgehen. Die kontinuierliche Entwicklung neuer Produkte generiert ebenfalls Kosten. Außerdem müssen Kundenservice, Lager und Logistik und Immobilien finanziert werden. Damit sind die Aufwände ähnlich hoch, wie bei einem klassischen Onlinehändler.

Die vier Prinzipien der digitalen Transformation

Die Digitale Transformation geht von der digitalisierten Gesellschaft aus. Neues Verhalten entsteht auf Basis digitaler Technologie. Dieses neue Verhalten erzeugt neue Einstellungen und Erwartungen gegenüber Dienstleistungen und Produkten. Dieser Vorgang findet wechselwirksam statt – Ein Kreislauf in dem sich immer wieder neue Bedürfnisse ausbilden. Unternehmen die digital aktiv werden wollen, müssen ihre Unternehmung auf ein solides Fundament stellen, um dem Wandel konsequent und kontinuierlich begegnen zu können. Die notwendigen Prinzipien haben wir in diesem Insight beschrieben. An dieser Stelle führen wir eine Bewertung für das Marketplace-Geschäftsmodell durch.

Prinzip 1 – Menschliches Verhalten fokussieren

Über den Marketplace wird direkt Feedback zu Produkten generiert. Dieses wird auf dem Marktplatz und abseits davon erfasst. Aus der Kundenbetreuung entstehen somit Impulse für die Entwicklung neuer Produkte und Services. Die Produkte sind allerdings nur eingeschränkt anpassbar. Damit wird das erste Prinzip nur zum Teil erfüllt. Unternehmen könnten die Produkte durch digitale Services erweitern und damit eine stärkere Flexibilität bezüglich der Bedürfnisse aufbauen.

Prinzip 2 – Flexibilisierung des Geschäftsmodells

Es handelt sich bei dem Marketplace-Geschäftsmodell um ein klassisches Distanz-Handelsmodell. In diesem wurden bestimmte Teile des Geschäftsmodells an Partner ausgelagert. Die Aufwände in die Infrastruktur (Lager, Logistik, Beratung etc.) führen zu einer hohen Statik im Geschäftsmodell. Das Marketplace-Modell ist damit ähnlich unflexibel, wie ein klassischer Distanzhandel mit eigenem Onlineshop. Aus Sicht der digitalen Transformation bietet das Geschäftsmodell keine ausreichende Flexibilität. Versteht man das Modell aber als ersten Schritt in Richtung digitaler Zusatzleistungen, kann es ein Wegpunkt zum flexiblen Geschäftsmodell sein.

Prinzip 3 – Dynamik und Schnelligkeit

Das Unternehmen mit Marketplace-Geschäftsmodell wird von der Aufgabe der Kundengewinnung befreit. Dadurch stehen mehr Ressourcen für die Erfassung der Kundenwünsche und der Entwicklung neuer Produkte zur Verfügung. Neue Märkte lassen sich schneller adressieren, neue Vertriebswege deutlich schneller integrieren. Das Unternehmen ist im direkten Vergleich mit einem Onlineshop-Betreiber schneller in der Ausdehnung seines Kundenkreises. Damit wird dieses Prinzip erfüllt. Unternehmen können mit dem Marketplace-Modell schneller auf Bedürfnisse und Marktänderungen reagieren, solange diese nicht das Kernangebot in Frage stellen.

Prinzip 4 – Evolutionäre Struktur & Arbeitsweise

Das Unternehmen mit Marketplace-Geschäftsmodell befindet sich in einem viel engeren Austausch mit den Kunden. Kundenfeedback kann in größeren Mengen und schnel generiert werden. Dadurch wird die Entwicklung neuer Marken und Produkte beschleunigt. Neue Produkte und neue Märkte können mit verhältnismäßig wenig Investment auf Erfolg getestet werden. Allerdings sind größere Abweichungen vom Ursprungsprodukt weniger wahrscheinlich. Wir würden diesen Punkt als eher neutral einstufen.

Fazit zum Marketplace-Geschäftsmodell

Marketplace-Geschäftsmodelle sind ideal für den Einstieg in den Onlinevertrieb geeignet. Vor allem Unternehmen mit eigenen Produkten und Marken profitieren vom Vertrieb über Marktplätze. Das Geschäftsmodell ermöglicht die Konzentration auf wesentliche infrastrukturelle Aufgaben. Sobald die Kunden- und Produktdatenbank aufgebaut, der Kundenservice eingerichtet wurde und die Marke stark genug ist, kann relativ leicht ein weiteres eCommerce-Geschäftsmodell angedockt werden. Dazu würden wir beispielhaft den Aufbau eines eigenen Shops oder stationärer Läden sehen. Das bedeutet auch, dass Sie relativ schnell und unkompliziert den Start am Markt wagen können, um dann in der Folge strategische Richtungsänderungen vornehmen zu können.

mm
Kai Hebenstreit war als Soldat im Auslandseinsatz, ehe er sich für digitales Produkt-Design interessierte. Nach einem Design-Studium an der renommierten Ruhrakademie in Schwerte wechselte er zu bekannten deutschen Digitalagenturen, wo er Design-Teams auf Kundenprojekten für die METRO AG, Kraft Foods, RWE, Porsche und viele weitere führte. Seit 2012 berät er freiberuflich und über manymize Unternehmen in der digitalen Transformation. Bei manymize ist Kai in der Geschäftsführung und verantwortlich für die strategische Ausrichtung und Entwicklung der Angebote, den Reichweiten-Aufbau sowie die Neukunden-Betreuung. Außerdem steuert er regelmäßig Artikel für das Magazin manymize Q bei.

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