Unternehmenskultur und Führung bei trivago (Video)

Moderne Unternehmensführung – ein kleiner Exkurs in die Organisations- und Führungskultur von trivago. Ein Beispiel für moderne Unternehmenskultur in der digitalen Ökonomie.

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Kai Hebenstreit

Kai Hebenstreit ist Chefredakteur und Gründer des digitalen Magazins manymize magazin®. Kai ist Experte für digitale Geschäftsmodelle und Start-ups, digitale Produktstrategien und UX-Design und -Management. Er ist Diplom-Designer mit einem zusätzlichen Abschluss in Verhaltenspsychologie. Auf Agenturseite zählen zu seinen Kunden GetIt (heute KPS Digital), OgilvyOne und BBDO - auf Unternehmensseite unter anderem die METRO AG, Dr. Oetker, Unitymedia, Porsche und Volkswagen.

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Rolf Schrömgens – Mitbegründer trivago – im Gespräch über moderne Unternehmenskultur, Unternehmensführung und Organisation. Laut dem trivago-Gründer ist Arbeitszeit als Indikator für Leistung nicht ausreichend beziehungsweise sogar schlecht geeignet. Das Konzept der Arbeitszeit stammt aus der industriellen Ökonomie. In dieser führt der Einsatz der doppelten Zeit zu einem doppelten Output. Produktivität skaliert also mit der eingesetzten Zeit. Unternehmen mit einem hohen Anteil an Wissensarbeitern haben dieses Modell adaptiert. Das führt zu einigen Problemen. Managern wird über die Arbeitszeit Sicherheit vermittelt – investieren meine Mitarbeiter viel Zeit, sind sie produktiv. Das stimmt so nicht und führt einfach zu verschwendeter Zeit. Zeit ist kein Indikator für Produktivität und Motivation – ganz im Gegenteil, in vielen Unternehmen verschwenden Mitarbeiter ihre Zeit mit anderen Aktivitäten, die keinen Wert fürs Unternehmen schaffen. Diese Aktivitäten dienen nur der Erfüllung von Zeitvorgaben. Es gilt deshalb, neue Indikatoren für Leistung und Erfolg zu schaffen. Zuerst muss man Zeit und Produktivität voneinander entkoppeln. Jeder Mitarbeiter kann selber entscheiden, wie viel er arbeitet, solange er Ziele erreicht. Die Zielerreichung und Produktivität wird von allen anderen Kollegen zweimal jährlich bewertet. Dadurch entsteht ein demokratischer Blick auf die Performance des Einzelnen ohne Heranziehen von investierter Arbeitszeit. Personen, die das System ausnutzen, fallen sehr schnell auf und werden aus dem System aussortiert. Die Bewertung erzeugt qualitative Erkenntnisse zur objektiven Bewertung von Mitarbeitern. Die Erkenntnisse wiederum führen zu wesentlich besseren Feedback-Meetings mit Entwicklungsperspektiven für den Mitarbeiter. Zudem verzichtet trivago auf Titel und Statussymbole. Jeder Mitarbeiter ist gleich viel wert. Das individuelle Ego steht der Produktivität nicht mehr im Weg. Daten und Informationen können in diesem System frei fließen. Das Team teilt sich in drei Rollen auf. Die Executer (z.B. Abteilungsleiter Development) werden durch feste Zielvereinbarungen (OKRs) fachlich geführt. Sie sind ebenfalls für die Supporter zuständig (in diesem Fall die Entwickler). Diese werden über gemeinschaftlich vereinbarte wöchentliche Zielvereinbarungen agil geführt. Sie sind von allen anderen Themen befreit. Die Developer (beispielsweise Marketing-Manager) sind Unternehmer im Unternehmen. Sie arbeiten an Prozessen, Abläufen, Aufgaben und identifizieren und entwickeln die Potenziale der Mitarbeiter. Die Entwicklung von Mitarbeitern erzeugt Stolz, Wert und Stabilität. Die Chefs nehmen die Rolle von Mentoren und Coaches ein. Jeder Mitarbeiter definiert sich im System selbst über drei Fragestellungen: Welche Rolle nehme ich ein? Was sind meine Ansprüche an andere? Was sind die Ansprüche der anderen an mich? Gleichzeitig ist das gesamte System unternehmerisch auf das Tun ausgerichtet. Ausprobieren, Fehler machen und auch Geld verbrennen – Hauptsache, das System ist stabil. Stabilität erzeugt Wert in und außerhalb des Unternehmens. Mit diesem System können Mitarbeiter ihren Wert fürs Unternehmen, für den Kunden, für das Team entfalten.

Kai Hebenstreit ist Chefredakteur und Gründer des digitalen Magazins manymize magazin®. Kai ist Experte für digitale Geschäftsmodelle und Start-ups, digitale Produktstrategien und UX-Design und -Management. Er ist Diplom-Designer mit einem zusätzlichen Abschluss in Verhaltenspsychologie. Auf Agenturseite zählen zu seinen Kunden GetIt (heute KPS Digital), OgilvyOne und BBDO - auf Unternehmensseite unter anderem die METRO AG, Dr. Oetker, Unitymedia, Porsche und Volkswagen.